Jennifer Strauß schreibt mit erstem Weltmeistertitel im G-Judo dreifach Geschichte

Sa, 21.10.2017, 22.29 Uhr
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von Tonja Bröder
Allererste Weltmeisterschaften im G-Judo ° allererster Eröffnungskampf ° allererster Weltmeistertitel

Köln, 21.10.2017 -  Immer wieder zieht ein großes Grinsen über das Gesicht von Jennifer Strauß und sie beginnt zu lachen. So wirklich kann die 20-Jährige vom Judo Club Wiesbaden 1922 e.V. noch nicht glauben, was in den vergangenen drei Tagen um sie herum alles geschehen ist.

Zum ersten Mal in der Geschichte wurde unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier eine Weltmeisterschaft für Judoka mit geistiger Behinderung ausgetragen. Hierzu trafen sich in Köln mehr als 100 Judoka aus 13 Nationen, unter anderem Brasilien und vielen weitere Nationen aus ganz Europa.

Intensiv wurde sich in den vergangenen Wochen auf diesen Event vorbereiten. Neben den regulären Trainingseinheiten der Judogruppe für Menschen mit Beeinträchtigungen hatte Jennifer zusätzlich beim HJV Stützpunkttraining der Jugend, geleitet durch Volker Simon und Sascha Korn, teilgenommen.

Und nun war es endlich soweit, am vergangenen Donnerstag machte sie sich dann begleitet von ihrem Trainer Dieter Porth auf die Reise nach Köln, wo abends die Akkreditierung und Waage stattfand. Mit 6 kg Differenz zum erlaubten Wettkampfgewicht von 48 kg stellte der Gang auf die Waage für Jennifer keine große Herausforderung dar.

Freitags wurden die sportmotorischen und judospezifischen Fähigkeiten der Athletinnen und Athleten überprüft und damit die Klassifizierung vorgenommen. Im Judo für Menschen mit geistiger Behinderung wird zwischen 3 Leistungsklassen abhängig von der jeweiligen kognitiven und motorischen Leistungsfähigkeit der Judoka unterschieden. Die Wettkämpfe finden dann getrennt für jede Leistungs- bzw. Wettkampfklasse statt. Jennifer Strauß ging in der Wettkampfklasse 2 an den Start.

Die anschließende Welcome Party in der Sport Lounge des Rhein-Energie Stadions musste verhältnismäßig früh von Jennifer und dem Trainer- und Betreuerteam verlassen werden, da am nächsten Morgen direkt schon die Wettkämpfe für die Wiesbadener Athletin anstanden.

Am Samstag den 21.10.2017 war es dann soweit. Nach einer eindrucksvollen Eröffnungsfeier mit Einmarsch der Nationen und zahlreichen Grußworten, gebührte unserer Judoka dann die große Ehre, den ersten Kampf der Weltmeisterschaft austragen zu dürfen. Entsprechend groß war die Aufregung der jungen Wiesbadenerin.

Diese führte im Kampfverlauf dazu, dass Jennifer zunächst sehr unsicher und zurückhaltend agierte und so bereits nach kurzer Kampfzeit zurücklag. Ihrer Gegnerin Sophia Mannsbart gelang es sogar, die Führung im weiteren Verlauf auszubauen. Gleich vier Mal befreite sich Jennifer aus einer Haltegriffposition in letzter Sekunde. Erst 20 Sekunden vor Kampfende spielte sie in der Bodensituation dann ihre Stärke aus und schaffte es, ihre Gegnerin mit einem Haltegriff zu besiegen.

Bis zum nächsten und schon entscheidenden Kampf blieben Jennifer nur wenige Minuten, um wieder Kraft zu schöpfen und sich auf die nächste Begegnung vorzubereiten. Hier traf sie dann auf Celiktas Evin. Auch in diesem Kampf musste Jennifer schnell zwei Waza-ari Wertungen gegen sich nehmen. In der zweiten Kampfhälfte gelang es ihr mit viel Willen und Durchsetzungsstärke dann aber selbst, Wertungen zu erzielen und somit auszugleichen. 10 Sekunden vor Schluss, nach einem gelungenen Übergang von der Standposition in den Bodenkampf ,endlich die entscheidende Aktion von Jennifer. Es gelingt ihr, ihre Gegner in den Haltegriff zu nehmen, den Kampf damit für sich zu entscheiden und den Weltmeistertitel für sich zu sichern.

Da es sich um den ersten Weltmeistertitel handelte, der an diesem Wettkampftag vergeben wurde, darf sich Jennifer Strauß vom Judo Club Wiesbaden seit dem heutigen Tage nun die erste Weltmeisterin im G-Judo nennen.

Die Freude über dieses historische Ereignis war bei allen Beteiligten ungebrochen.

Trainerin Rebekka Perrier berichtet voller Stolz: „Eine beeindruckende Leistung die Jennifer am heutigen Tage gezeigt hat. Trotz dieser riesigen und damit auch teils einschüchternden Kulisse hat Jennifer es geschafft, ihre anfängliche Nervosität zu überwinden und auch in schwierigen Kampfsituationen sich nicht aufzugeben.“

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