Judo: Dena Pohl strebt mit dem JC Wiesbaden das DM-Finale an

Fr, 06.10.2017, 16.18 Uhr
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von Tonja Bröder
Der Wiesbadener Kurier berichtet

Bericht im Wiesbadener Kurier am 06.10.2017 von Tobias Goldbrunner

WIESBADEN - Sie war die einzige deutsche Frau, die bei den U 21-Europameisterschaften in Maribor vor drei Wochen eine Medaille holte. Als eine der jüngsten Judoka im Starterfeld. Mit gerade mal 17 Jahren. Und trotzdem war Dena Pohl nur „bedingt zufrieden“, als sie mit Bronze nach Hause kehrte. „Es war ein guter Tag“, beschreibt die 63-Kilo-Kämpferin den größten Auftritt ihrer bisherigen Karriere. „Aber es war eben auch mehr drin.“ Im Viertelfinale lieferte sie sich mit Titelverteidigerin Sanne Vermeer einen offenen Schlagabtausch, geriet erst in der letzten Minute in einen Haltegriff. Die Niederländerin holte später erneut Gold. Im kommenden Jahr, daran lässt Pohl keine Zweifel, will sie bei der Junioren-EM ganz oben auf dem Treppchen stehen. Und auch die Weltmeisterschaften hat die Schülerin fest im Visier. „Sie ist unglaublich ehrgeizig, arbeitet extrem professionell“, ist Marcel Stebani, Teammanager des JC Wiesbaden, überzeugt davon, „dass sie das Potenzial besitzt, bei den Senioren die deutsche Nummer eins in ihrer Gewichtsklasse zu werden und internationale Medaillen holen kann“.

Viertelfinale gegen Gladbach auf Augenhöhe

Pohl gilt als eines der aussichtsreichsten Talente der Republik. Erst einmal will sie aber ihren Teil dazu beitragen, damit der JCW auch in der Bundesliga den größten Erfolg der Vereinshistorie feiern kann. Im Einzel startet die 17-Jährige für den UJKC Potsdam, in der Liga seit dieser Saison für Wiesbaden. Und mit den Hessinnen, die 2015 Dritte wurden, tritt sie am Samstag (14 Uhr) bei der Finalrunde in Bottrop an. „Wir wollen zum ersten Mal in den Endkampf einziehen“, gibt Stebani als klares Ziel vor. „Wir fahren sicher nicht dahin, um zu verlieren“, fügt Pohl hinzu, die eine entscheidende Rolle einnehmen könnte. Schließlich habe der 1. JC Mönchengladbach, als Dritter der Nordstaffel Auftaktgegner im Viertelfinale, mit Mira Ulrich (bis 48 kg), Sanne Verhagen (bis 57 kg), Sheena Zander (bis 63 kg) und Julia Tillmanns (über 78 kg), so Stebani, vier „richtig starke Kämpferinnen. Sie können uns genauso schlagen wie wir sie“. Heißt: Bis 63 Kilogramm könnte es zu einem oder gar zwei Schlüsselduellen zwischen Pohl und Zander kommen. „Das wäre ein Kampf auf Augenhöhe“, beschreibt Stebani. Beide wurden bei der diesjährigen DM Fünfte, gegeneinander gekämpft haben beide noch nie. Im Halbfinale würde der JCW, der auf Punktegarantin Pauline Starke (Vorbereitung auf die U 21-WM) verzichten muss, auf den gesetzten Nordersten JC Bottrop treffen. Ebenfalls eine lösbare Aufgabe. Im Finale könnte dann Topfavorit JSV Speyer warten.

Dass auf Pohl Verlass ist, bewies sie in ihrer Debüt-Saison schon öfter. Die „Kampfsau“, wie Stebani seinen Schützling nennt, der stark mit der Hüfte und schwer zu werfen ist, ließ sich von den beiden knappen Niederlagen zum Einstand gegen Olympiateilnehmerin Viola Wächter nicht beirren, siegte zuletzt vier Mal in Folge. Dass sie überhaupt zum Judo kam, war indes Zufall. „Ich wollte eigentlich unbedingt reiten. Meine Mutter meinte, ich soll aber erst mal das Fallen richtig lernen und hat mich zum Judo geschickt“, erzählt Pohl. Die so viel Spaß auf der Matte hatte, dass Pferde kein Thema mehr waren. Vor vier Jahren ging sie den Schritt aus ihrer Heimatstadt Ludwigsfelde ins 30 Fahrminuten entfernte Potsdam, wo Pohl heute an der Sportschule bis zu zwölf Mal die Woche trainiert. Schon in der vergangenen Runde hatte Stebani sie an Bord holen wollen. „Doch ich wollte erst meine Schule vernünftig planen“, sagt Pohl. Die sich dafür entschied, den Weg zum Abitur in vier statt drei Jahren zu gehen, um intensiver ihren Sport zu verfolgen. Beim JCW fühlt sie sich nun „super wohl“. Und hat „auch nicht vor zu wechseln“. Aus der 25 000-Seelen-Stadt Ludwigsfelde stammt übrigens eine Judoka, die es bis auf den Olymp geschafft: Yvonne Bönisch, Goldmedaillengewinnerin von Athen 2004.

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